Blessbock

Der Blessbock, auch Bleßbock, Bläßbock oder Blässbock, ist eine Antilopen-Art aus der Gattung der Leierantilopen (Damaliscus), aus der Familie der Hornträger (Bovidae). Öfters werden Blessbock und Buntbock auch als Unterarten einer Art angesehen. Er ist in Südafrika, Eswatini und Namibia verbreitet und dort endemisch.

Blessbock

Blessbock (Damaliscus phillipsi)

Systematik
ohne Rang: Stirnwaffenträger (Pecora)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Antilopinae
Tribus: Kuhantilopen (Alcelaphini)
Gattung: Damaliscus
Art: Blessbock
Wissenschaftlicher Name
Damaliscus phillipsi
Harper, 1939

Seinen Namen hat er aufgrund des markanten weißen Gesichts. Eine solche Zeichnung wird bei Pferden und anderen Tieren als Blesse, in Afrikaans (und im niederländischen) als bles bezeichnet. Daher rührt die englische Bezeichnung Blesbok.

Beschreibung

Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich. Sie erreichen eine Schulterhöhe von 90 bis 100 cm. Die Schulter ist etwas höher als die Hüfte. Männliche ausgewachsene Blessböcke wiegen durchschnittlich etwa 70 kg; Weibchen sind mit etwa 61 kg etwas leichter. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 140 bis 160 cm.

Charakteristisch für den Blessbock ist die markante weiße Blesse im Gesicht, die sich deutlich vom braunen Fell abhebt. Zwischen den Augen wird die Blesse von einem braunen Streifen geteilt. Der Hals und die Oberseite des Rückens des Blessbocks sind braun mit einem helleren Sattel auf dem Rücken. Weiter unten an den Flanken und am Gesäß wird die Färbung dunkler. Die Beine sind braun, mit einem weißen Fleck auf der Hinterseite der Vorderbeine, die Unterschenkel sind weißlich. Der Bauch, die Innenseite des Gesäßes und der Bereich bis zum Schwanzansatz sind weiß.

Die gerillten Hörner sind bei beiden Geschlechtern leierförmig geformt und haben eine Länge bis ca. 38 cm. Die Hörner der Weibchen sind etwas schlanker als die der Männchen.

Der Blessbock unterscheidet sich vom Buntbock dadurch, dass er insgesamt weniger weiß gefärbt ist. Das Fell ist etwas heller als das des Buntbocks. Die Blesse ist beim Buntbock zwischen den Augen nicht unterbrochen.

Farbvarianten

Seit den späten 1960er Jahren wurden weiße Blessböcke an verschiedenen Orten nachgewiesen. Eine Herde weißer Blessböcke wurde 1974 im Mpofu Game Reserve am Ostkap angesiedelt. Wie bei Impalas ist die Weiß-Färbung rezessiv und tritt natürlich nur sporadisch auf. Die natürliche Fellfarbe variiert von hell- bis dunkelbraun, aber es fehlt die dunkel-rötliche Schattierung, die den Buntbock auszeichnet.[1]

Verbreitung und Lebensraum

Blessböcke kommen im Grasland, in offenen Savannen und Ebenen mit ausreichend Wasser Südafrikas, Eswatinis und Namibias vor. Waldland meiden sie. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Highveld nördlich des Vaal-Flusses über den Freistaat bis zum Ostkap.

Verhalten

Blessböcke sind tagaktiv. In den kalten Wintermonaten, wenn sie in Gruppen stundenlang entweder in der Sonne stehen oder im Schatten von Bäumen liegen, sind sie weniger aktiv als im Sommer. In wärmeren Regionen bleiben sie im Sommer während der heißen Tageszeit im Schatten von Bäumen. Wenn es kühler wird, teilen sie sich in kleinere Gruppen auf, um zu weiden.

Mit dem Einsetzen des Frühlingsregens beginnen die erwachsenen Böcke mit Rangkämpfen, die tödlich enden können. In der Paarungszeit von März bis Mai besetzen erwachsene Männchen (4–8 Jahre) Reviere von 0,9 bis 4,1 ha Größe. Einige Böcke bleiben auch nach der Paarungszeit in ihrem Revier. In diesen Zeiten werden die Reviere aber nicht verteidigt.

Weibchen leben in Familiengruppen oder Harems. Familiengruppen bestehen aus subadulten Weibchen, jungen Männchen (1–2 Jahre) und älteren Weibchen (>7 Jahre). Harems umfassen 4–25 erwachsene Muttertiere (2,5–7 Jahre) und ihre Jungen (10–18 Monate) und oft einen territorialen Bock. Männchen schließen sich zu Junggesellengruppen mit subadulten Böcken (2–4 Jahre) zusammen, zu denen auch und ein oder zwei erwachsenen Böcke (>4 Jahre) gehören können. Es können sich auch Gruppen aus nicht-territorialen, erwachsenen Böcken bilden.

Ein Bock (4–8 Jahre) paart sich mit 8–12 Kühen (2,5–7 Jahre) aus verschiedenen Harems, wenn sie sein Revier durchqueren.

Der Großteil der Jungen wird nach einer Trächtigkeit von ca. 240 Tagen (7,5 Monate) zwischen November und Januar geboren, die Geburten erstrecken sich aber bis in den Mai hinein. Weibchen bringen pro Saison ein Kalb zur Welt. Das Muttertier bleibt während der Geburt bei der Gruppe und innerhalb von 20 Minuten läuft das Jungtier mit seiner Mutter mit. Nach 12–18 Monaten verlassen die subadulten Weibchen ihre Familiengruppe, die jungen Männchen nach 10–12 Monaten. Nach 28 bis 36 Monaten sind Blessböcke ausgewachsen.[1]

Vor allem die Jungtiere fallen Schakalen, Karakalen, Pavianen und Pythons zum Opfer. Erwachsene Blessböcke werden von Leoparden und Geparden gejagt. Gefahr wird eher durch das Sehen als durch den Geruch erkannt.

Systematik

Blessbock und Buntbock (Damaliscus pygargus) sind eng miteinander verwandt. Genetische Analysen Anfang der 1990er Jahre ergaben einen genetischen Unterschied von lediglich 0,47 %, was für eine Trennung der beiden Formen im Mittelpleistozän vor etwa 250.000 Jahren spricht. Beide Arten werden mitunter auch zu einer Art unter dem Namen Damaliscus pygargus mit den Unterarten D. p. pygargus (Buntbock) und D. p. phillipsi (Blessbock) zusammengefasst.[2] Für eine Trennung in zwei Arten sprechen zum einen die zahlreichen morphologischen Unterschiede, zum anderen sind die Arten räumlich voneinander getrennt. Die im zentralen Südafrika gelegenen Lebensräume des Blessbocks sind wenigstens 320 km vom nächstgelegenen Vorkommen des Buntbocks im Südwesten Südafrikas entfernt. Diese geographische Trennung der Populationen erfolgte möglicherweise zum Ende der letzten Eiszeit vor mehr als 12.000 Jahren, so dass seitdem eine Vermischung der beiden Formen unter natürlichen Umständen nicht möglich ist. Unter künstlichen Bedingungen, z. B. auf Wildfarmen, kommt es aber zur Hybridisierung zwischen Bunt- und Blessböcken. Unter solchen Bedingungen wurde auch schon Hybridisierungen mit Leierantilopen beobachtet sowie die eines Blessbock-Weibchens mit einer Kuhantilope, allerdings waren deren Nachkommen unfruchtbar.[3]

Etymologie

Die Art wurde nach John Charles Phillips benannt, in „Anerkennung seiner Bemühungen um den Erhalt der schwindenden Säugetierfauna der Welt zum Wohle der Nachwelt und unserer eigenen Generation.“[4]

Status

Früher waren Blessböcke eine der am häufigsten vorkommenden Antilopenarten, wurden aber aufgrund starker Bejagung fast ausgerottet. Die Population war auf ca. 2000 Tiere reduziert. In freier Wildbahn galten sie zur Zeit der Erstbeschreibung als ausgestorben.[4] Da sie seit dem späten 19. Jahrhundert unter Schutz stehen, hat sich der Bestand seitdem wieder deutlich erholt. Ihre Zahl wird auf mindestens 54.000 geschätzt, von denen etwa 69 % als genetisch rein gelten.[2] Sie werden daher als nicht gefährdet (least concern) eingestuft. Mindestens 17.000 Blessböcke leben in diversen Schutzgebieten. Die Hauptbedrohung der Art wird in der Hybridisierung mit dem Buntbock gesehen.

Commons: Damaliscus pygargus phillipsi – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Deon Furstenburg: Blesbok & Bontebok Damaliscus pygargus Management. In: Pamela Oberem (Hrsg.): The New Game Rancher. BRIZA Publisher, Pretoria 2016, ISBN 978-1-920217-62-4, S. 196204.
  2. Damaliscus pygargus Bontebok / Blesbok : Fr. Bontebok (Blesbok); Ger. Buntbock (Blessbock). In: Mammals of Africa : Pigs, Hippopotamuses, Chevrotain, Giraffes, Deer and Bovids. Bloomsbury Publishing, doi:10.5040/9781472926968.0093.
  3. Anna M. van Wyk, Erika Schulze, Kim Labuschagne, Seeng Thamae, Antoinette Kotzé, Desiré Lee Dalton: Hybridization in an isolated population of blesbok and red hartebeest. In: Ecology and Evolution. Band 14, Nr. 4, April 2024, ISSN 2045-7758, doi:10.1002/ece3.11194.
  4. Francis Harper: The name of the Blesbok. In: Proceedings of the Biological Society of Washington. Vol. 52, 5. Juni 1939, S. 8992 (archive.org [PDF]).
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. Additional terms may apply for the media files.