Steatopygie

Steatopygie (griechisch στέαρ stéar, deutsch Fett und πυγή pygē ‚Gesäß‘) oder Fettsteiß ist eine Fettablagerung am Steiß bzw. Gesäß.[1][2]

Begriffsgeschichte

In der deutschen Sprache wurde der Begriff in der Zeit des Kolonialismus geprägt, so definierte Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon 1911:

„Steatopygīe (grch.), Fettsteiß, übermäßige Fettanhäufung am Gesäß der Hottentottinnen und Buschweiber.“[3]

sowie Meyers Großes Konversations-Lexikon 1909:

„Steatopygīe (griech.), übermäßige Fettanhäufung am Gesäß bei verschiedenen Rassen, namentlich den weiblichen Hottentotten […], soll nach Piette auch den vorgeschichtlichen Bewohnern Frankreichs (Solutrézeit) eigentümlich gewesen sein. […]“[4]

Otto Dornblüth definierte Steatopygie in seinem klinischen Wörterbuch 1927 als:

„die bei Frauen ohnehin schon vorhandene Neigung zu Fettansatz an dieser Stelle findet sich bei manchen wilden Stämmen (Hottentotten- und Buschweibern) ganz bes. entwickelt. Aber auch an e. Elfenbeinfigürchen der Urmenschen von Moustiers (alt. Steinzeit), genannt Venus von Moustiers.“

Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. 13./14. Auflage. 1927.[5]

Eine größere Berühmtheit erhielt Sarah Baartman, die als „Hottentot Venus“ in Europa zur Schau gestellt sowie nach ihrem Tode medizinisch seziert wurde.[6] Heute wird der Begriff im Zusammenhang der „Rassentheorien“ sowie der kolonialen Schilderungen insbesondere der sogenannten „Hottentotten“ als sexistisch-rassistisch abgelehnt.[7][8][9][10]

Medizin und Zoologie

Das medizinische Lexikon Roche definiert Steatomerie als „zonale Fettsucht, Adipositas“; im engeren Sinne auch als „der Fettsteiß (= Steatopygie)“ und „die femorale Adipositas (= Steatotrochanterie)“.[11] In der Pathologie nennt man eine Fettvermehrung (Fettsteiß) in der Sakralregion auch Pygopegie,[12] in der Zoologie wird im Fettsteiß auch das isolierende Unterhautfett als Höcker oder in einzelnen Körperregionen konzentriert.[13] Beim Menschen wird die Tendenz, im Lebensverlauf ein voluminöseres Gesäß zu entwickeln, als Steatopygie bezeichnet.

Einzelnachweise

  1. Steatopygie, die. duden.de; abgerufen am 17. Dezember 2013.
  2. A. Hüter-Becker: Physikalische Therapie, Massage, Elektrotherapie und Lymphdrainage. Georg Thieme Verlag, 2006, ISBN 3-13-136871-3, S. 301. books.google.de
  3. Steatopygīe. In: Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 5. Auflage. Band 2. Brockhaus, Leipzig 1911 (Digitalisat. zeno.org).
  4. Steatopygīe. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 18: Schöneberg–Sternbedeckung. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1909, S. 880 (Digitalisat. zeno.org).
  5. textlog.de abgerufen am 21. Dezember 2013.
  6. Wie ein wildes Tier begafft: Das Schicksal der Sarah Baartman. FAZ.net, 31. Januar 2006.
  7. Harald Haarmann: Schwarz, eine kleine Kulturgeschichte. Lang, Frankfurt 2005, S. 88 books.google.de
  8. Eckhard Rohrmann: Mythen und Realitäten des Anders-Seins. Springer 2007, S. 90. books.google.de
  9. Ingo Warnke: Deutsche Sprache und Kolonialismus: Aspekte Der Nationalen Kommunikation 1884 und 1919. Walter de Gruyter, 2009, S. 179. books.google.de
  10. Brigitte Fuchs: »Rasse«, »Volk«, Geschlecht: Anthropologische Diskurse in Österreich 1850–1960. Campus Verlag 2003, S. 44, books.google.de
  11. Steatomerie. In: Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer, 2003, abgerufen am 22. Dezember 2013.
  12. Hans Bankl: Arbeitsbuch Pathologie. Band 2: Allgemeine Pathologie. Facultas, 2002, S. 65.
  13. Lothar Dittrich: Tiere in menschlicher Obhut: Grundlagen Zootierhaltung. 2007.
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