Kartonage
Die Kartonage ist ein Begriff aus der Verpackungstechnik. Sie wird aus stabilisierten Papiersorten (Karton oder in Verbindung mit Pappe) hergestellt. Für jede Art der Umverpackung gibt es Kartonagen in verschiedenen Stärken und Größen. Zusammengefaltet benötigt sie wenig Platz im Lager. Für empfindliche Waren oder Güter wird zu deren Schutz hauptsächlich Wellpappe verwendet.
Geschichte
In Deutschland kam die Kartonage verstärkt seit dem Zweiten Weltkrieg zum Einsatz, als die zuvor verwendeten Holzkisten nicht oder nicht mehr in ausreichender Zahl verfügbar waren. Bei der Deutschen Reichsbahn wurde die „neue“ Verpackungsart zunächst skeptisch betrachtet, als mangelhaft eingestuft und nur unter Haftungsausschluss zur Beförderung entgegengenommen.[1]
Recycling
Kartonagen sollen, wie andere Papiersorten auch, im Rahmen der Mülltrennung dem Papierrecycling zugeführt werden. Sie gehören nicht in den Restmüll. Sie werden in Papierfabriken recycelt aber auch exportiert, insbesondere nach China. Der Export ist ökologisch wenig sinnvoll und politisch unerwünscht. In Deutschland ist der Altpapier- und Altkartonexport zwischen 2000 und 2009 auf etwa ein Viertel zurückgegangen. Die Schweiz wurde zum Importeur.[2]
Nutzung von Grasfasern
Kartonagen entwickeln sich weiter. Insbesondere ist die Nutzung von Grasfasern im Herstellungsprozess in Deutschland beliebter geworden. Grasfaser werden von verschiedenen Unternehmen als nachhaltige Alternative zu recycelter Wellpappe beworben. Der Erfinder des Graspapiers hat 2017 eine Studie[3] bei der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Auftrag gegeben, die einen ökologischen Vergleich des Einsatzes von Sulfat-Zellstoff, Altpapierstoff und grasbasiertem Zellstoff in der deutschen Papierproduktion durchgeführt hat.
Die Studie ergab, dass die grasbasierten Zellstoffe im untersuchten Zeitraum ökologisch nachhaltiger, als die verglichenen Stoffe, sind. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe hat unter dem Leiter des Studiengangs Papiertechnik Bedenken geäußert. Der hohe Graspapieranteil könnte den Altpapierkreislauf gefährden, da die Graspapierfasern mit dem aktuellen Recyclingprozess nicht wiederaufbereitet werden können.[4]
Den Menschen wird suggeriert, dass durch den schnellen und großen Graswachstum, die ökologische Bilanz von Grasfasern im Vergleich zu Holz, positiv ausfällt. Das Umweltbundesamt meldet allerdings, dass seit einigen Jahren die Papier-Recyclingquote bei über 70 % liegt.[5] Durch die fehlende Recyclingmöglichkeit von Grasfasern ergibt sich eine höhere Umweltbelastung, als es durch 100 % Recyclingpapier in Kartonagen ergeben würde.[6]
Einzelnachweise
- Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Eisenbahndirektion Mainz vom 17. Juni 1949, Nr. 30. Bekanntmachung Nr. 310, S. 158.
- Stefan Endras, Altpapier und Karton Recycling Schweiz (PDF; 811 kB)
- Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Ökologischer Vergleich des Einsatzes von grasbasiertem Zellstoff (PDF; 652 kB) Abgerufen am 06. Juni 2024
- Wirtschaftswoche, Deutschland hat ein Papier-Problem Abgerufen am 06. Juni 2024
- Umweltbundesamt, Vorteile von Recyclingpapieren Abgerufen am 06. Juni 2024
- Schramm Verpackung, Graspapier und Graskartons Grün oder nur Greenwashing? Abgerufen am 06. Juni 2024