Regierung de Maizière

Die Regierung des DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière war die erste frei gewählte und gleichzeitig letzte Regierung der DDR. Die Regierungsbildung war die Folge der Volkskammerwahl am 18. März 1990. Die Regierungszeit endete im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990.

Regierungsbildung

Als Ergebnis der Volkskammerwahl bildete der CDU-Spitzenkandidat Lothar de Maizière eine Koalitionsregierung[1], bestehend aus:

Abstimmung in der Volkskammer

Berlin, 12. April 1990 – Gesamtstimmenzahl 400 – absolute Mehrheit 201
Wahlgang Kandidat Stimmen Stimmenzahl Anteil Koalitionspartei(en)
1. Wahlgang Lothar de Maizière
(CDU)
Ja-Stimmen 265 66,3 % CDU/DA, DSU, SPD, BFD
Nein-Stimmen 108 27,0 %
Enthaltungen 9 2,2 %
nicht abgegeben / ungültig 18 4,5 %
Damit wurde Lothar de Maizière zum Ministerpräsidenten gewählt.

Die Abgeordneten bestätigten danach en bloc auch sein Kabinett.

Regierungsmitglieder

Regierung de Maizière – 12. April bis 20. August 1990
Amt Foto Name Partei Parlamentarischer Staatssekretär
bzw. Staatssekretär
Ministerpräsident Lothar de Maizière CDU Günther Krause
Stellvertreter des Ministerpräsidenten Peter-Michael Diestel DSU
ab 30. Juni 1990:
parteilos
ab 3. August 1990:
CDU
Innere Angelegenheiten Peter Müller
Eberhard Stief
Auswärtige Angelegenheiten Markus Meckel SPD Frank Tiesler (DSU)
Hans-Jürgen Misselwitz
Helmut Domke
Regionale und Kommunale Angelegenheiten Manfred Preiß BFD Jürgen Klingbeil
Wirtschaft Gerhard Pohl
Entlassung am 16. August 1990
CDU Stefan Körber
Martin Dube
Gunter Halm
Dieter Prietzel
Finanzen Walter Romberg
Entlassung am 16. August 1990
SPD Dieter Rudorf
bis 20. August 1990 (SPD)
Werner Skowron
Martin Maaßen
Walter Siegert
Handel und Tourismus Sybille Reider SPD Werner Jurich
Bruno Benthien
Justiz Kurt Wünsche
Entlassung am 16. August 1990
BFD
ab 3. Juli 1990:
parteilos
Rolf Schwanitz
23. Juli bis 20. August 1990 (SPD)
Reinhard Nissel
Manfred Walther
Ernährung, Land- und Forstwirtschaft Peter Pollack
Entlassung am 16. August 1990
Parteilos (auf Vorschlag der SPD) Peter Kauffold (SPD)
bis 16. August 1990

Gottfried Haschke (CDU)

Michael Heinemann
Dieter Schwarze
Peter Kauffold SPD
Arbeit und Soziales Regine Hildebrandt SPD Alwin Ziel (SPD)
Horst Kienitz
Fritz-Klaus Kochan
Abrüstung und Verteidigung Rainer Eppelmann DA
ab August 1990:
CDU
Bertram Wieczorek (CDU)
Frank Marczinek
Werner E. Ablaß
Jugend und Sport Cordula Schubert CDU Horst Iske
Burkhard Eisoldt
Familie und Frauen Christa Schmidt CDU Hans Geisler (CDU)
Helga Kreft
Gesundheitswesen Jürgen Kleditzsch CDU Thomas Schmidt (DSU)
Horst Schönfelder
Verkehr Horst Gibtner CDU Manfred Jakob Dott (DSU)
Bernd Rohde (CDU)
Bernward Rechel (CDU)
Umwelt, Naturschutz, Energie und Reaktorsicherheit Karl-Hermann Steinberg CDU Gerhard Behrendt
Uwe Pautz
Winfried Pickart
Post- und Fernmeldewesen Emil Schnell SPD Hans-Jürgen Niehof (BFD)
Klaus Wolf
Jürgen Liepe
Bauwesen, Städtebau und Wohnungswirtschaft Axel Viehweger BFD Michael Bräuer
Franz-Joseph Glotzbach
Forschung und Technik Frank Terpe SPD Ernst-Hinrich Weber (CDU)
Dieter Pötschke
Bildung und Wissenschaft Hans Joachim Meyer Parteilos
ab August 1990:
CDU
Ekkehard Schwerin
Klaus Achtel
Dieter Reiher
Rainer Jork (CDU)
Kultur Herbert Schirmer CDU Udo Bartsch
Gabriele Muschter
Medienpolitik Gottfried Müller CDU Horst Schulz (CDU)
Manfred Becker (SPD)
Wirtschaftliche Zusammenarbeit Hans-Wilhelm Ebeling DSU
ab 2. Juli 1990:
CDU
Oswald Wutzke (CDU)
Wolf-Dieter Graewe
Amt des Ministerpräsidenten Klaus Reichenbach CDU Lothar Moritz (CDU)
Gottfried Klepel
Petra Erler
Almuth Berger (Ausländerbeauftragte)

Am 24. Juli 1990 trat der Bund Freier Demokraten (Die Liberalen) aus der Koalitionsregierung aus, die zwei Minister verblieben jedoch im Kabinett. Grund waren Streitigkeiten über die Modalitäten der bevorstehenden ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990. Am 15. August kündigte Ministerpräsident Lothar de Maizière die Entlassung einiger Minister an, denen er die Schuld an der wirtschaftlichen Misere in der DDR gab: Walter Romberg (SPD, Finanzen), Peter Pollack (parteilos, Ernährung Land- und Forstwirtschaft) und Gerhard Pohl (CDU, Wirtschaft). Daraufhin zog am 20. August die SPD ihre Minister und Staatssekretäre aus der Regierung ab und beendete die Koalition.

Regierung de Maizière – 20. August bis 2. Oktober 1990 (nach der Regierungsumbildung)
Amt Foto Name Partei Parlamentarischer Staatssekretär
bzw. Staatssekretär
Ministerpräsident Lothar de Maizière CDU Günther Krause
Auswärtige Angelegenheiten Frank Tiesler (DSU)
Kersten Radzimanowski
Helmut Domke
Stellvertreter des Ministerpräsidenten Peter-Michael Diestel CDU
Innere Angelegenheiten Peter Müller
Eberhard Stief
Regionale und Kommunale Angelegenheiten Manfred Preiß BFD Jürgen Klingbeil
Wirtschaft Gunter Halm
kommissarisch
BFD Martin Dube
Gunter Halm
Dieter Prietzel
Stefan Körber
Finanzen Werner Skowron
kommissarisch
CDU Werner Skowron
Martin Maaßen
Walter Siegert
Handel und Tourismus Lothar Engel
kommissarisch
Parteilos Werner Jurich
Bruno Benthien
Justiz Manfred Walther
kommissarisch
CDU Reinhard Nissel
Manfred Walther
Ernährung, Land- und Forstwirtschaft Gottfried Haschke
kommissarisch
CDU Gottfried Haschke (CDU)

Michael Heinemann
Dieter Schwarze
Arbeit und Soziales Jürgen Kleditzsch
kommissarisch
CDU Horst Kienitz
Fritz-Klaus Kochan
Abrüstung und Verteidigung Rainer Eppelmann CDU Bertram Wieczorek (CDU)
Frank Marczinek
Werner E. Ablaß
Jugend und Sport Cordula Schubert CDU Horst Iske
Burkhard Eisoldt
Familie und Frauen Christa Schmidt CDU Hans Geisler (CDU)
Helga Kreft
Gesundheitswesen Jürgen Kleditzsch CDU Thomas Schmidt (DSU)
Horst Schönfelder
Verkehr Horst Gibtner CDU Manfred Jakob Dott (DSU)
Bernd Rohde (CDU)
Bernward Rechel (CDU)
Umwelt, Naturschutz, Energie und Reaktorsicherheit Karl-Hermann Steinberg CDU Gerhard Behrendt
Uwe Pautz
Winfried Pickart
Post- und Fernmeldewesen Hans-Jürgen Niehof
kommissarisch
BFD Hans-Jürgen Niehof (BFD)
Klaus Wolf
Jürgen Liepe
Bauwesen, Städtebau und Wohnungswirtschaft Axel Viehweger
(bis 28. September 1990)
BFD Michael Bräuer
Franz-Joseph Glotzbach
Forschung und Technik Hans Joachim Meyer
kommissarisch
CDU Ernst-Hinrich Weber (CDU)
Dieter Pötschke
Bildung und Wissenschaft Hans Joachim Meyer CDU Klaus Achtel
Dieter Reiher
Rainer Jork (CDU)
Kultur Herbert Schirmer CDU Udo Bartsch
Gabriele Muschter
Medienpolitik Gottfried Müller CDU Horst Schulz (CDU)
Manfred Becker (SPD)
Wirtschaftliche Zusammenarbeit Hans-Wilhelm Ebeling CDU Oswald Wutzke (CDU)
Wolf-Dieter Graewe
Amt des Ministerpräsidenten Klaus Reichenbach CDU Lothar Moritz (CDU)
Gottfried Klepel
Petra Erler
Almuth Berger (Ausländerbeauftragte)

Literatur

  • Klaus-J. Holzapfel, Andreas Holzapfel (Redaktion): Der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik 1990. NDV Neue Darmstädter Verlagsanstalt 1990, ISBN 3-87576-245-2.

Einzelnachweise

  1. deutsche-einheit-1990.de Grundsätze der Koalitionsvereinbarung zwischen den Fraktionen der CDU, der DSU, dem DA, den Liberalen (FDP, BFD, F.D.P.) und der SPD vom 12. April 1990
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