Teamsprint

Der Teamsprint (bis 2001 „Olympischer Sprint“) ist eine Disziplin des Bahnradsports.

Regeln

Beim Teamsprint agieren jeweils drei Fahrer als eine Mannschaft, wobei der jeweils führende nach einer Runde ausscheidet.[1] Der Start erfolgt an der Verfolgerlinie, auf den gegenüberliegenden Geraden der Bahn, dabei wird von Anfang an maximales Tempo gefahren. Die beiden ersten Fahrer dienen dem dritten als Anfahrer, so kann der letzte Mann seine Kräfte für die letzte Runde im Windschatten schonen. Die ersten beiden Fahrer müssen jeweils bis zum Ende ihrer Runde mit ihrem Vorderrad vor dem des nachfolgenden Fahrers bleiben und müssen sich spätestens 15 Meter nach Beendigung der Runde oberhalb der roten Sprinterlinie befinden. Außerdem ist Anschieben zwischen Teammitgliedern verboten.

Der Teamsprint gehört zu den Distanzen, auf denen der Radsport-Weltverband Weltrekorde anerkennt. Da beim Teamsprint stets drei Runden gefahren werden, ist die zurückgelegte Distanz abhängig von der Rundenlänge. Der Vergleichbarkeit halber werden Weltrekorde daher nur auf 250-Meter-Bahnen anerkannt, die bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ohnehin vorgeschrieben sind.[2]

Turniermodus: Bei Weltmeisterschaften und kontinentalen Meisterschaften ebenso wie bei Olympischen Spielen und im Nations Cup findet der Teamsprint in drei Phasen statt:

  • In der Qualifikation setzt jedes Team einzeln eine Zeit. Die acht schnellsten Teams kommen weiter.
  • In der Zwischenrunde (offiziell 1. Runde genannt) fährt das schnellste Team gegen das achtschnellste, das zweite gegen das siebte, das dritte gegen das sechste und das vierte gegen das fünfte Team. Die vier siegreichen Mannschaften kommen in die Finals.
  • Das Finale um Platz eins bestreiten die beiden zeitschnellsten Siegerteams der Zwischenrunde, das Finale um Platz drei die beiden anderen Laufsieger.

Team-Mitglieder können von einer zur nächsten Phase gewechselt werden, jedoch müssen alle teilnehmenden Fahrer zuvor angemeldet sein. Bei der Siegerehrung werden alle im Verlauf des Wettkampfs eingesetzten Fahrer ausgezeichnet.

Entwicklung

Der Teamsprint wurde zunächst nur für Männer eingeführt unter dem Namen „Olympischer Sprint“. Erstmals kam er 1995 bei Weltmeisterschaften und 2000 bei den Olympischen Spielen zur Anwendung. Die Umbenennung in „Teamsprint“ erfolgte Anfang 2002. Der Teamsprint der Frauen wurde 2006 erstmals in die Regeln aufgenommen und war ab 2007 bei Weltmeisterschaften sowie ab 2012 bei Olympischen Spielen im Programm. Anfangs wurde der Wettbewerb bei den Frauen nur mit zwei Sportlerinnen durchgeführt, erst seit Juni 2020 gehen – mit Ausnahme der wegen der COVID-19-Pandemie verschobenen Olympischen Spiele 2020 – wie bei den Männern drei Sportlerinnen an den Start.[3]

Die Wechsel-Regel war zunächst so formuliert, dass die ersten beiden Fahrer bis zum Ende ihrer Runde führen und innerhalb von 15 Metern vor oder nach der Verfolgerlinie ausscheren mussten. Bei den Bahnradsport-Weltmeisterschaften 2012 und den nachfolgenden Olympischen Spielen 2012 wurde die Regel strikt angewandt, was mehrere wettbewerbs-entscheidende Konsequenzen hatte. Bei den Weltmeisterschaften betraf dies die beiden schnellsten Männer-Teams, Großbritannien und Deutschland; bei den Olympischen Spielen profitierte das deutsche Frauen-Team hingegen von der Relegation Großbritanniens und Chinas und gewann Gold.[4] Als Konsequenz wurde die Regel ab Oktober 2012 geändert: Die führenden Fahrer mussten nun bis zum Ende ihrer Runde mit ihrem gesamten Rad vor dem des ablösenden Fahrers bleiben und spätestens 15 Meter nach der Verfolgerlinie ausgeschert sein. Ab Oktober 2016 wurde die Regel dahingehend gelockert, dass der führende Fahrer nur noch mit seinem Vorderrad vorn sein muss.

Der Wettbewerb wurde ursprünglich nur bei Weltmeisterschaften in drei Phasen durchgeführt, in allen anderen Wettbewerben waren nur Qualifikation und Finale vorgesehen. 2004 wurde die Zwischenrunde bei Weltmeisterschaften gestrichen, 2007 bei Olympischen Spielen wieder eingeführt. 2016 wurde sie auch bei Weltmeisterschaften und Weltcup wieder eingeführt, 2023 zudem bei kontinentalen Meisterschaften.

Paracycling

Im Paracycling gibt es Mixed-Teamsprints in den Leistungsklassen C (Rennrad) und B (Tandem).

Der Teamsprint mit Rennrad findet mit drei männlichen oder weiblichen Athleten der Leistungsklassen C1–C5 statt.[5] Um einen ausgeglichenen Wettkampf zu ermöglichen, wird jeder Leistungsklasse eine Punktzahl zwischen 1 und 4 zugeordnet, und die Gesamtpunktzahl eines Teams darf 10 nicht überschreiten. Mannschaften können also auch vollständig aus Männern oder vollständig aus Frauen bestehen. Ein Wettbewerb umfasst Qualifikation und Finale, wobei das Finale um Platz 1 von den zwei schnellsten Qualifikanten bestritten wird und das Finale um Platz 3 von den beiden nächstschnellsten. Der Rennrad-Teamsprint ist seit 2000 Teil der Paralympischen Spiele und wird seit Anbeginn bei den Paracycling-Bahnweltmeisterschaften der UCI durchgeführt.

Der Mixed-Tandem-Teamsprint[6] wird über drei Runden mit zwei Tandems durchgeführt, wobei ein Tandem zwei Runden führt und das andere die letzte Runde allein bestreitet. Eins der Tandems muss eine männliche und eins eine weibliche Besatzung haben. Qualifikation und Finale sind wie beim Rennrad-Teamsprint geregelt. Der Mixed-Tandem-Teamsprint ist seit 2020 Teil der Weltmeisterschaften, war aber noch nie bei den Paralympischen Spielen im Programm.

Ergebnisse bei Bahnradsport-Weltmeisterschaften

Männer

Jahr Gold Silber Bronze
1995Deutschland Jan van Eijden, Michael Hübner, Jens FiedlerFrankreich Benoît Vétu, Florian Rousseau, Hervé ThuetVereinigte Staaten Marty Nothstein, Erin Hartwell, William Clay
1996Australien Darryn Hill, Shane Kelly, Gary NeiwandDeutschland Michael Hübner, Jens Fiedler, Sören LausbergFrankreich Laurent Gané, Florian Rousseau, Hervé Thuet
1997Frankreich Vincent Le Quellec, Florian Rousseau, Arnaud TournantDeutschland Sören Lausberg, Eyk Pokorny, Jan van EijdenAustralien Danny Day, Shane Kelly, Sean Eadie
1998Frankreich Vincent Le Quellec, Florian Rousseau, Arnaud TournantAustralien Danny Day, Shane Kelly, Graham SharmanDeutschland Sören Lausberg, Stefan Nimke, Eyk Pokorny
1999Frankreich Laurent Gané, Florian Rousseau, Arnaud TournantVereinigtes Konigreich Chris Hoy, Craig MacLean, Jason QueallyDeutschland Sören Lausberg, Stefan Nimke, Eyk Pokorny
2000Frankreich Laurent Gané, Florian Rousseau, Arnaud TournantVereinigtes Konigreich Chris Hoy, Craig MacLean, Jason QueallySpanien José Antonio Villanueva, José Antonio Escuredo, Salvador Meliá
2001Frankreich Laurent Gané, Florian Rousseau, Arnaud TournantAustralien Jobie Dajka, Ryan Bayley, Sean EadieVereinigtes Konigreich Chris Hoy, Craig MacLean, Jason Queally
2002Vereinigtes Konigreich Jamie Staff, Chris Hoy, Craig MacLeanAustralien Jobie Dajka, Ryan Bayley, Sean EadieDeutschland Jens Fiedler, Sören Lausberg, Carsten Bergemann
2003Deutschland Carsten Bergemann, René Wolff, Jens FiedlerFrankreich Laurent Gané, Mickaël Bourgain, Arnaud TournantVereinigtes Konigreich Craig MacLean, Chris Hoy, Jamie Staff
2004Frankreich Mickaël Bourgain, Laurent Gané, Arnaud TournantSpanien José Antonio Escuredo, Salvador Meliá, José Antonio VillanuevaVereinigtes Konigreich Craig MacLean, Chris Hoy, Jamie Staff
2005Vereinigtes Konigreich Chris Hoy, Jason Queally, Jamie StaffNiederlande Theo Bos, Teun Mulder, Tim VeldtDeutschland Matthias John, René Wolff, Stefan Nimke
2006Frankreich Grégory Baugé, Mickaël Bourgain, Arnaud TournantVereinigtes Konigreich Chris Hoy, Craig MacLean, Jamie StaffAustralien Ryan Bayley, Shane Kelly, Shane Perkins
2007Frankreich Grégory Baugé, Mickaël Bourgain, Arnaud TournantVereinigtes Konigreich Chris Hoy, Craig MacLean, Ross EdgarDeutschland Robert Förstemann, Stefan Nimke, Maximilian Levy
2008Frankreich Grégory Baugé, Kévin Sireau, Arnaud TournantVereinigtes Konigreich Ross Edgar, Chris Hoy, Jamie StaffNiederlande Theo Bos, Teun Mulder, Tim Veldt
2009Frankreich Grégory Baugé, Mickaël Bourgain, Kévin SireauVereinigtes Konigreich Matthew Crampton, Jason Kenny, Jamie StaffDeutschland René Enders, Robert Förstemann, Stefan Nimke
2010Deutschland Robert Förstemann, Maximilian Levy, Stefan NimkeFrankreich Grégory Baugé, Michaël D’Almeida, Kévin SireauVereinigtes Konigreich Ross Edgar, Chris Hoy, Jason Kenny
2011[7]Deutschland René Enders, Maximilian Levy, Stefan NimkeVereinigtes Konigreich Matthew Crampton, Chris Hoy, Jason KennyAustralien Daniel Ellis, Matthew Glaetzer, Jason Niblett
2012Australien Shane Perkins, Scott Sunderland, Matthew GlaetzerFrankreich Grégory Baugé, Kévin Sireau, Michaël D’AlmeidaNeuseeland Ethan Mitchell, Sam Webster, Edward Dawkins
2013Deutschland René Enders, Stefan Bötticher, Maximilian LevyNeuseeland Edward Dawkins, Ethan Mitchell, Sam WebsterFrankreich Julien Palma, François Pervis, Michaël D’Almeida
2014Neuseeland Ethan Mitchell, Sam Webster, Edward DawkinsDeutschland René Enders, Robert Förstemann, Maximilian LevyFrankreich Grégory Baugé, Kévin Sireau, Michaël D’Almeida
2015Frankreich Grégory Baugé, Kévin Sireau, Michaël D’AlmeidaNeuseeland Ethan Mitchell, Sam Webster, Edward DawkinsDeutschland Joachim Eilers, René Enders, Robert Förstemann
2016Neuseeland Ethan Mitchell, Sam Webster, Edward DawkinsNiederlande Jeffrey Hoogland, Nils van ’t Hoenderdaal, Matthijs Büchli, Hugo HaakDeutschland Joachim Eilers, Max Niederlag, René Enders
2017Neuseeland Ethan Mitchell, Sam Webster, Edward DawkinsNiederlande Jeffrey Hoogland, Harrie Lavreysen, Matthijs BüchliFrankreich Benjamin Edelin, Sébastien Vigier, Quentin Lafargue
2018Niederlande Nils van ’t Hoenderdaal, Harrie Lavreysen, Jeffrey Hoogland, Matthijs BüchliVereinigtes Konigreich Jack Carlin, Ryan Owens, Jason Kenny, Philip Hindes, Joseph TrumanFrankreich François Pervis, Sébastien Vigier, Quentin Lafargue, Michaël D’Almeida
2019Niederlande Roy van den Berg, Harrie Lavreysen, Jeffrey Hoogland, Matthijs BüchliFrankreich Grégory Baugé, Sébastien Vigier, Quentin Lafargue, Michaël D’AlmeidaRussland Alexander Scharapow, Denis Dmitrijew, Pawel Jakuschewski
2020Niederlande Roy van den Berg, Harrie Lavreysen, Jeffrey Hoogland, Matthijs BüchliVereinigtes Konigreich Ryan Owens, Jack Carlin, Jason KennyAustralien Thomas Cornish, Nathan Hart, Matthew Richardson
2021Niederlande Roy van den Berg, Harrie Lavreysen, Jeffrey HooglandFrankreich Florian Grengbo, Sébastien Vigier, Rayan HelalDeutschland Nik Schröter, Stefan Bötticher, Joachim Eilers
2022Australien Matthew Glaetzer, Leigh Hoffman, Matthew Richardson, Thomas CornishNiederlande Roy van den Berg, Harrie Lavreysen, Jeffrey HooglandVereinigtes Konigreich Alistair Fielding, Hamish Turnbull, Jack Carlin
2023Niederlande Roy van den Berg, Harrie Lavreysen, Jeffrey HooglandAustralien Matthew Glaetzer, Leigh Hoffman, Matthew Richardson, Thomas CornishFrankreich Florian Grengbo, Sébastien Vigier, Rayan Helal

Frauen

Jahr Gold Silber Bronze
2007Vereinigtes Konigreich Victoria Pendleton, Shanaze ReadeNiederlande Yvonne Hijgenaar, Willy KanisAustralien Kristine Bayley, Anna Meares
2008Vereinigtes Konigreich Victoria Pendleton, Shanaze ReadeChina Volksrepublik Gong Jinjie, Zheng LuluDeutschland Dana Glöß, Miriam Welte
2009Australien Kaarle McCulloch, Anna MearesVereinigtes Konigreich Victoria Pendleton, Shanaze ReadeLitauen Gintarė Gaivenytė, Simona Krupeckaitė
2010Australien Kaarle McCulloch, Anna MearesChina Volksrepublik Gong Jinjie, Lin JunhongLitauen Gintarė Gaivenytė, Simona Krupeckaitė
2011Australien Kaarle McCulloch, Anna MearesVereinigtes Konigreich Victoria Pendleton, Jessica VarnishChina Volksrepublik Gong Jinjie, Guo Shuang
2012Deutschland Miriam Welte, Kristina VogelAustralien Kaarle McCulloch, Anna MearesChina Volksrepublik Gong Jinjie, Guo Shuang
2013Deutschland Miriam Welte, Kristina VogelChina Volksrepublik Gong Jinjie, Guo ShuangVereinigtes Konigreich Victoria Williamson, Rebecca James
2014Deutschland Miriam Welte, Kristina VogelChina Volksrepublik Lin Junhong, Zhong TianshiVereinigtes Konigreich Jessica Varnish, Rebecca James
2015China Volksrepublik Gong Jinjie, Zhong TianshiRussland Darja Schmeljowa, Anastassija WoinowaAustralien Kaarle McCulloch, Anna Meares
2016Russland Darja Schmeljowa, Anastassija WoinowaChina Volksrepublik Gong Jinjie, Zhong TianshiDeutschland Miriam Welte, Kristina Vogel
2017Russland Darja Schmeljowa, Anastassija WoinowaAustralien Kaarle McCulloch, Stephanie MortonDeutschland Miriam Welte, Kristina Vogel
2018Deutschland Miriam Welte, Kristina Vogel, Pauline GraboschNiederlande Kyra Lamberink, Shanne Braspennincx, Laurine van Riessen, Hetty van de WouwRussland Darja Schmeljowa, Anastassija Woinowa
2019Australien Kaarle McCulloch, Stephanie MortonRussland Darja Schmeljowa, Anastassija WoinowaDeutschland Miriam Welte, Emma Hinze
2020Deutschland Pauline Grabosch, Emma Hinze, Lea Sophie FriedrichAustralien Kaarle McCulloch, Stephanie MortonChina Volksrepublik Chen Feifei, Zhong Tianshi
2021Deutschland Pauline Grabosch, Emma Hinze, Lea Sophie FriedrichRussland Natalja Antonowa, Darja Schmeljowa, Jana TyschtschenkoGroßbritannien Millicent Tanner, Sophie Capewell, Blaine Ridge-Davis
2022Deutschland Pauline Grabosch, Emma Hinze, Lea Sophie FriedrichChina Volksrepublik Bao Shanju, Guo Yufang, Yuan LiyingVereinigtes Konigreich Lauren Bell, Sophie Capewell, Emma Finucane
2023Deutschland Pauline Grabosch, Emma Hinze, Lea Sophie FriedrichVereinigtes Konigreich Lauren Bell, Sophie Capewell, Emma FinucaneChina Volksrepublik Bao Shanju, Guo Yufang, Yuan Liying

Anmerkungen

  1. Artikel 3.2.144ff des UCI-Regelwerks
  2. Artikel 3.5.001 und 3.6.068 des UCI-Regelwerks
  3. UCI Newsletter #78 - Special Edition Regulation Changes - June 2020 (Memento vom 25. Juni 2020 im Internet Archive)
  4. Analysis: Enforcement of passing rule makes a mess of women’s team sprint. Outside Online, 3. August 2012; (englisch).
  5. Artikel 16.8.009f des UCI-Regelwerks
  6. Artikel 16.8.020ff des UCI-Regelwerks
  7. Nachdem dem französischen Team im Januar 2012 wegen Verstoßes gegen die Meldeauflagen der Weltdopingagentur WADA durch seinen Fahrer Grégory Baugé nachträglich die Goldmedaille aberkannt wurde, rückten die folgenden Mannschaften nach. Siehe Späte Ehre für Teamsprinter: Übergabe der WM-Trikots in London rad-net.de am 30. Januar 2012
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